Samstag, 5. Mai 2012

Lukas 15, 11-32

Dieser Abschnitt befindet sich nicht im Leseplan, aber er hat uns beim letzten Mal im Bibelkurs beschäftigt und zu einer lebhaften Diksussion um die Themen Gerechtigkeit und Barmherzigkeit, zwei ganz zentrale Begriffe der Bibel und des Glaubens, geführt. Darüber hinaus passt dieser Abschnitt aus meiner Sicht auch sehr gut zu der Frage, die sich auch in der Jakobgeschichte widerspiegelt. Was sind das für Menschen, für die Gott mehr Freude als für andere Menschen empfindet, denen er mehr zugetan ist als anderen Menschen?

Das Thema ist schon mehrmals in meinem Blog angeklungen: Kain und Abel - die Ungleichbehandlung der beiden Brüder und der auf diesen folgende Brudermord; Isaak und Isamel - der Sohn der Freiheit (sich für den Heiligen Geist zu entscheiden) und der Sklavin (sich an Gesetze zu halten); die Sünder, die den Weg verlassen haben, und die, die sich für gerecht halten. Und eben nun Jakob und Esau. Hinter diesen Alternativen steckt immer auch eine bewusste Wahl Gottes für oder gegen etwas oder jemanden und damit auch ein Entscheidungsprinzip, das Aufschluss über Gottes Wille geben kann. Gott sind offenbar nicht alle Menschen in gleicher Weise recht.

Beim Vorlesen des Textes im Kreis konnte ich so gut den Bruder verstehen, der all die Jahre bei seinem Vater geblieben ist, ihm gedient hat, nie vom Weg abgekommen ist, sein Geld nicht verprasst hat, der für das, was er in all der Zeit getan hat, nicht einmal eine Ziege von seinem Vater bekam, um mit seinen Freunden ein Fest zu feiern, wie das Kind, das immer artig ist und nie dafür gelobt wird. Im Gegensatz zu dem Kind, das so oft das elterliche Blut zum Kochen bringt und dann, wenn es sich einmal lieb zeigt, gelobt wird und sich etwas aussuchen darf. Wie die Schwester, die am Geburtsort bleibt und sich um die alternden Eltern kümmert und Lebensträume aufgibt während die andere Schwester auszieht, um sich zu verwirklichen, dann scheitert und zurückkehrt.

Was will Gott??? Wen will Gott??? Und was sagt dieser wichtige Abschnitt darüber aus?

Ist es wirklich so, dass diejenigen, die sich für gerecht halten und meinen, sie könnten sich durch ihr Verhalten Gottes Liebe “erkaufen”, gemeint sind. Zeigt die Geschichte abermals die dunklen Gefühle, die Menschen haben können, wenn es um Gerechtigkeit und den Vergleich mit anderen geht? Soll diese Geschichte mich auf eine Lebensweise aufmerksam machen, der ich versuchen soll zu folgen? Oder erzählt die Geschichte vielmehr oder auch von der Barmherzigkeit des Vaters, Gott, die wir als sein Sohn, der geblieben ist und ihm stets treu zu Diensten war, nicht verstehen können?

Immer wieder rutscht auch mein Blick in die letzten Zeilen des Gleichnisses vom verlorenen Schaf (Lukas 15, 7): “Genauso ist im Himmel die Freude über einen verlorenen Sünder, der zu Gott zurückkehrt, größer als über neunundneunzig andere, die gerecht sind und gar nicht erst vom Weg abirrten!”

Ist es besser, vom Weg abzukommen und dann zurückzukehren? Zu betrügen, so wie Jakob es tut, um später bereuen zu können?

Kommentare:

  1. Ach Marc...wie schön, du hast auch ein Herz für die Randfiguren :)
    Ich glaube, auch wenn's uns manchmal schwer fällt in seiner Logik zu denken: Gott will sie alle und Gott liebt sie alle!
    Die Story vom verlorenen Sohn hat denke ich zwei Botschaften, einmal die Offensichtlichere und einmal eben die mit dem zweiten Sohn, die oft überlesen wird. Die Geschichte erzählt von Gottes Charakter, sie beschreibt ihn als guten, liebenden Vater. Woran sieht man das? Naja, der Sohn hat ihm einen ganz schönen Tiefschlag verpasst und ihn echt gekränkt als er seinen Erbteil ausbezahlt haben wollte und trotzdem hat er sich um ihn gesorgt und nach ihm Ausschau gehalten, also gehofft dass er zurück kehrt. Außerdem war er ziemlich reich, er hatte ja Diener und Tagelöhner und all das und damals gehörte es sich gar nicht für einen feinen Mann zu "Laufen" der ist da zwischen seinen Dienern umhergewandelt, allenfalls gegangen, aber als er seinen Sohn am Horizont erblickt hat, hat er sich die Beine untern Arm geklemmt und ist gerannt um ihn zu umarmen und zu küssen! Der Sohn kommt kaum dazu sich zu entschuldigen, weil der Vater ihm längst vergeben hat, schon in dem Moment, wo er gesehen hat, dass er zu ihm zurück gekehrt ist und eingesehen hat, dass er nen Fehler gemacht hat.
    Gott ist kein Vater der sich in den Lehnstuhl setzt und dann den Sohn/ Sünder Vorsprechen lässt "So...dann lass mal hören was du erkannt hast und wie du dich dafür entschuldigst und dann schauen wir ob ich dich auf Probe wieder rein lasse..." Nee...der wartet richtig und hält Ausschau und rennt dem Sohn entgegen, als er sieht, dass er sich in seine Richtung bewegt...er schmeißt sogar ne Party.
    Aber er ist eben auch für Freiheit. Es muss ihn unheimlich gekränkt haben als der Sohn gegangen ist und wahrscheinlich hat er schon gewusst, dass er gehörig auf die Nase fallen wird, aber er hat es zugelassen, weil der Sohn es so wollte und selbst seine Erfahrungen machen musste.
    Gott gewährt also Freiheit, ist aber bereit jederzeit zu vergeben, weil er liebt!

    AntwortenLöschen
  2. Dennoch denke ich, dass es ein übereilter Schluss ist zu sagen, Gott will, dass wir uns auflehnen und liebt uns mehr wenn wir dann zurückkommen. Der Mann liebt ganz sicher beide seine Söhne. Aber wie das nunmal so ist...das Problemkind scheint erstmal mehr Aufmerksamkeit zu kriegen. Aber warum freut er sich über das eine Schaf soviel mehr als über die 99 anderen? Weil es in Gefahr war! Die 99 waren ja save bei ihm...das hundertste war aber in Lebensgefahr weil es sich entfernt hat. Der ältere Sohn war immer bei ihm...hat vielleicht nie ne Ziege zum feiern bekommen, aber jeden Abend ne Scheibe. Er war in seiner Gegenwart und konnte Gemeinschaft mit ihm haben. Klar scheint das auch irgendwie ungerecht, denn der Andere hatte sicher erstmal das spannendere und schönere Leben: Hat nen Haufen Kohle verprasst und rumgehurt während der andere auf dem Feld arbeiten durfte. Ist man so als Mensch schonmal sauer und fühlt sich benachteiligt, aber eigentlich hat der was richtig gemacht...sich entschieden beim Vater zu bleiben obwohl er die Freiheit hatte auch zu gehen. Er war die ganze Zeit sicher. Hat zwar keine Party gekriegt, aber Papa ist sicher super stolz auf ihn und liebt ihn sehr. Und großes Leid, Schande und Reue sind ihm erspart geblieben. Der verlorene Sohn hat gehungert, war einsam und ganz unten (als Jude neidisch zu sein auf die unreinen Schweine die man füttert) und so Kleinlaut nach Hause zu gehen und einzugestehen, dass man riesen Mist gebaut hat ist sicher auch nicht einfach. Die Reaktion des Vaters war für ihn natürlich überraschend. Der tut als wär nichts gewesen und nimmt ihn sofort als Sohn wieder an.

    Ich denke, dass es besser ist zu bleiben...wobei, eigentlich auch egal, Hauptsache man lernt seine Lektion und weiß wo man hingehört. Der schlechteste Platz beim Vater (als Tagelöhner) ist immer noch besser als irgendein Platz irgendwo anders. Leider ist aber eben noch nicht gleich alles geschafft wenn man da ist...das Bleiben ist auch harte Arbeit (s. älterer Sohn) und wer sagt, dass der Kleine es nicht irgendwann nochmal vergisst und wieder loszieht...für den wirds auch noch heftig durchzuhalten. Nur eins ist sicher...der Vater würde wieder am Fenster stehn und warten.

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.